»Have you ever fallen in love with a clock?«
Es könnte sein, dass sie eines Tages aufwachen und keine Kraft finden, um aufzustehen. Vielleicht brechen Sie sich auch »nur« den rechten arm und werden dazu gezwungen, Ihre linke Hand zu trainieren. Es kann aber auch sein, dass Sie sich verlieben. Sie kippen aus dem Alltag und vertraute Orte erscheinen in neuem Licht. Die Gedankenspiele machen deutlich, dass wir über Norm und Normalität oft erst dann nachdenken, wenn sie nicht mehr greifen. Die Normen, die in unserer Ausstellung verhandelt werden, sind vom Menschen geschaffen – es sind kollektive Vereinbarungen. Formelle Normen sind in Gesetzen oder Verordnungen festgehalten und im besten Fall demokratisch ausgehandelt und kommuniziert. Soziale Normen hingegen entstehen durch ungeschriebene Regeln des Zusammenlebens. Sie bilden sich aus Gewohnheiten, Traditionen und sozialen Strukturen, werden weitergegeben (z.B. in der Erziehung und später in der Schule) und durch alltägliches Handeln aufgeführt und aufrechterhalten. Dennoch unterliegen sie einem stetigen Wandel. – Normen haben ihre schönen Seiten: Sie können uns halt und Orientierung geben. Für viele Menschen bleiben Normen unsichtbar – sie leben darin eingebettet, ohne mit ihnen in Kontakt zu kommen. Andere hingegen sind täglich mit ihnen konfrontiert; sie sind verwickelt in einen Prozess der ständigen Anpassung. Normen kategorisieren in normal und behindert, gesund und krank, Mann und Frau. Sie strukturieren übergeordnete Zusammenhänge genauso wie Details unseres Alttages, so z.b. die Positionierung eines Türgriffs. Oder die Zeit – sie ist vielleicht eine der einflussreichsten Normen: Sie unterteilt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; in Sekunden, Minuten, Stunden und Tage. Viele von uns spüren das: Sie sind immer zu spät, ständig damit beschäftigt, etwas aufzuholen. Obwohl wir mittlerweile wissen, dass das Zeitalter des Anthropozäns (in dem der Mensch das Klima, die Meere, die und die Tierwelt stärker als jede andere natürliche Kraft verändert) von
kurzer Dauer sein wird, sehnen wir uns noch immer nach Fortschritt, Wachstum
und Herrschaft. Dieser Plan der Zeit ist tief in unser Denken und unsere Körper
eingeschrieben.
Die
Künstler*innen in dieser Ausstellung erforschen, wie Normen entstehen und
funktionieren. Sie überprüfen und stellen in Frage. Vor allem aber arbeiten sie
an Vorschlägen, die unser Denken und Handeln aus seinen Bahnen werfen und als
Abweichungen oder Alternativen verstanden werden können – genauso wie die Uhr
von Finnegan Shannon, der wird den Titel unserer Ausstellung
verdanken.
Mit Werken u. a. von Josef Albers, Giampaolo Babetto, Nicole Baginski, Merlin Bauer, Victoria Bell, Joseph Beuys, Anna & Bernhard Blume, Erich Bödeker, Rudolf Bott, David Bowie, Anna Bromley, Andrea Büttner, Felix Droese, Albrecht Dürer, Michael Fesca, Tanja Geiss, Hendrick Goltzius, Patrick Henkel, Heinrich Hoerle, On Kawara, Leonhard Kern, Sanghoon Kim, Jannis Kounellis, Susanne Kümpel, Konrad Kuyn, Bärbel Lange, Stefan Lochner, Andreas Maus, Duane Michals, Rune Mields, Michael Müller, Chris Newman, Peter Joseph Paffenholz, Joanna Piotrowska, Polyklet, Thomas Rentmeister, Anna Rossa, Walter Schels, Inge Schmidt, Karl Hugo Schmölz, Finnegan Shannon, Hermann Stenner, Martina Stoffel, Paul Thek, Manos Tsangaris, Rembrandt Harmensz Van Rijn, Phlorian Wagner, Andor Weininger, Philipp Wewerka, Stefan Wewerka, Gert H. Wollheim und René Zäch