Kolumba
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Joseph Geller (1877–1958) war 1933 als Oberpfarrer der Kirchengemeinde St. Kolumba nach Köln gekommen, nachdem er einige Jahre in Duisburg-Großenbaum und Essen-Rellinghausen als Seelsorger eingesetzt war. Er war gewisssermaßen »strafversetzt« nachdem seine Initiativen zur Verbreitung von moderner Kunst bei der erzbischöflichen Obrigkeit auf Unverständnis gestoßen waren. Seit 1911 Rektor von Hl. Dreikönige in Neuss, hatte Geller bereits früh Kontakt zu dem niederländischen Künstler Johann Thorn-Prikker, den er 1911 mit Entwürfen für monumentale Kirchenfenster beauftragt hatte. Geller, der dem Deutschen Werkbund nahestand und mit einigen seiner wichtigsten Mitglieder engsten Kontakt hatte, war 1914 einer der Hauptverantwortlichen für die Präsentation dieses wohl wichtigsten expressionistischen Fensterzyklus auf der Deutschen Werkbund-Ausstellung in Köln. Die durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges abgebrochene Präsentation entfachte eine heftige Kontroverse um den Zustand der kirchlichen Kunst, sollte doch nach dem »Gotik-Erlass« des Kölner Erzbischofs ab 1912 nur im historischen Stil gebaut und ausgestattet werden. – Als Oberpfarrer von St. Kolumba begriff Joseph Geller die Total-Zerstörung der Kölner Innenstadt-Kirche im Frühjahr 1945 als eine Möglichkeit des Neuanfangs. Für ihn stand der Wiederaufbau im Mittelpunkt, wobei es Gellers Wunsch und Wille war, diese Aufgabe nicht als Rekonstruktion zu verstehen, sondern den Neubau in veränderten Formen und Dimensionen als zeitgenössische Bauaufgabe zu realisieren. Dies trug letztlich auch der stark geminderten Anzahl der Gläubigen im Pfarrsprengel St. Kolumba Rechnung. Nachdem Geller mit den Architekten Rudolf Schwarz und Dominikus Böhm erste Gespräche geführt hatte, diese aber im Wiederaufbau zu stark beansprucht waren, kam es zum Auftrag an den jungen Gottfried Böhm (*1920) zum Bau einer Kapelle für die »Madonna in den Trümmern«, die zum Sinnbild der Hoffnung im zerstörten Köln geworden war. Es sollte Böhms erstes eigenständiges Bauwerk werden. Der ganz der Moderne verpflichtete Bau und seine hochkarätige zeitgenössische Ausstattung wären ohne Joseph Geller nicht denkbar. Das Heilig-Geist-Fenster von Jan Thorn-Prikker stammte aus seinem persönlichen Besitz. Mit allen an der Ausstattung beteiligten Künstlerinnen und Künstlern, stand er im engen Austausch. »Und haben wir wieder wahre und echte Kunst in unseren Kirchenräumen, dann werden die Menschen auch wiederkommen und allmählich anfangen, nachzudenken und in der Kirche nicht nur etwas Rückständiges, sondern etwas Fortschrittliches finden. Und der Mensch will ja immer nur fortschreiten; vor echter Kunst macht er dann Halt und wird zum Nachdenken gezwungen, zur Ruhe, die im Tageslärm notwendig ist. Darum lege ich Wert darauf, dass eine solche Kapelle neuzeitlich und mit sicherem Stilgefühl ausgestattet wird. Die Besucher sollen nicht verwirrt, wohl aber aufgewühlt werden, jedoch nicht zum Widerspruch, sondern zur Auseinandersetzung und Anknüpfung.« (JG)

Literatur: Katharina Ley, Der Neubau von St. Kolumba in Köln, Magisterarbeit (Typoskript), Köln 1987. | Stefan Kraus/ Anna Pawlik/ Martin Struck, Kolumba-Kapelle (= Kolumba, Bd.59), Köln 2020

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KOLUMBA :: Kapelle :: Joseph Geller

Joseph Geller (1877–1958) war 1933 als Oberpfarrer der Kirchengemeinde St. Kolumba nach Köln gekommen, nachdem er einige Jahre in Duisburg-Großenbaum und Essen-Rellinghausen als Seelsorger eingesetzt war. Er war gewisssermaßen »strafversetzt« nachdem seine Initiativen zur Verbreitung von moderner Kunst bei der erzbischöflichen Obrigkeit auf Unverständnis gestoßen waren. Seit 1911 Rektor von Hl. Dreikönige in Neuss, hatte Geller bereits früh Kontakt zu dem niederländischen Künstler Johann Thorn-Prikker, den er 1911 mit Entwürfen für monumentale Kirchenfenster beauftragt hatte. Geller, der dem Deutschen Werkbund nahestand und mit einigen seiner wichtigsten Mitglieder engsten Kontakt hatte, war 1914 einer der Hauptverantwortlichen für die Präsentation dieses wohl wichtigsten expressionistischen Fensterzyklus auf der Deutschen Werkbund-Ausstellung in Köln. Die durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges abgebrochene Präsentation entfachte eine heftige Kontroverse um den Zustand der kirchlichen Kunst, sollte doch nach dem »Gotik-Erlass« des Kölner Erzbischofs ab 1912 nur im historischen Stil gebaut und ausgestattet werden. – Als Oberpfarrer von St. Kolumba begriff Joseph Geller die Total-Zerstörung der Kölner Innenstadt-Kirche im Frühjahr 1945 als eine Möglichkeit des Neuanfangs. Für ihn stand der Wiederaufbau im Mittelpunkt, wobei es Gellers Wunsch und Wille war, diese Aufgabe nicht als Rekonstruktion zu verstehen, sondern den Neubau in veränderten Formen und Dimensionen als zeitgenössische Bauaufgabe zu realisieren. Dies trug letztlich auch der stark geminderten Anzahl der Gläubigen im Pfarrsprengel St. Kolumba Rechnung. Nachdem Geller mit den Architekten Rudolf Schwarz und Dominikus Böhm erste Gespräche geführt hatte, diese aber im Wiederaufbau zu stark beansprucht waren, kam es zum Auftrag an den jungen Gottfried Böhm (*1920) zum Bau einer Kapelle für die »Madonna in den Trümmern«, die zum Sinnbild der Hoffnung im zerstörten Köln geworden war. Es sollte Böhms erstes eigenständiges Bauwerk werden. Der ganz der Moderne verpflichtete Bau und seine hochkarätige zeitgenössische Ausstattung wären ohne Joseph Geller nicht denkbar. Das Heilig-Geist-Fenster von Jan Thorn-Prikker stammte aus seinem persönlichen Besitz. Mit allen an der Ausstattung beteiligten Künstlerinnen und Künstlern, stand er im engen Austausch. »Und haben wir wieder wahre und echte Kunst in unseren Kirchenräumen, dann werden die Menschen auch wiederkommen und allmählich anfangen, nachzudenken und in der Kirche nicht nur etwas Rückständiges, sondern etwas Fortschrittliches finden. Und der Mensch will ja immer nur fortschreiten; vor echter Kunst macht er dann Halt und wird zum Nachdenken gezwungen, zur Ruhe, die im Tageslärm notwendig ist. Darum lege ich Wert darauf, dass eine solche Kapelle neuzeitlich und mit sicherem Stilgefühl ausgestattet wird. Die Besucher sollen nicht verwirrt, wohl aber aufgewühlt werden, jedoch nicht zum Widerspruch, sondern zur Auseinandersetzung und Anknüpfung.« (JG)

Literatur: Katharina Ley, Der Neubau von St. Kolumba in Köln, Magisterarbeit (Typoskript), Köln 1987. | Stefan Kraus/ Anna Pawlik/ Martin Struck, Kolumba-Kapelle (= Kolumba, Bd.59), Köln 2020