Kolumba
Kolumbastraße 4
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Geschichte der Pfarrei St. Kolumba
St. Kolumba war mit bis zu 10.000 Gemeindemitgliedern und von seiner geographischen Ausdehnung die größte Pfarrgemeinde der mittelalterlichen Stadt Köln. Viele der angesehensten und wohlhabendsten Familien wohnten in der Pfarrei. Sie bestimmten nicht nur als Ratsherren und Bürgermeister das Geschick der Stadt, sondern hatten als Kirchenmeister die Aufsicht über das Pfarrvermögen, die Armenpflege, das Hospital sowie die Beginenkonvente. Darüber hinaus wählten sie spätestens seit 1250 den Pfarrer. Zum Pfarrbezirk gehörten einige bedeutende Klöster und wichtige Einrichtungen der 1388 gegründeten Universität. Neben dem Gebäude der Juristischen Fakultät (An der Rechtsschule) waren dies auch einige Bursen, in denen die Studenten lebten und lernten. Die Mehrzahl der Pfarrer von St.Kolumba hatte an der Kölner Universität studiert und wirkte dort als Professoren. Einer von ihnen war Kaspar Ulenberg (1548-1617), der 1572 vom lutherischen zum katholischen Glauben konvertierte und durch seine Übersetzung der Bibel ins Deutsche sowie die Vertonung der Psalmen größere Bekanntheit erlangte. Patronin der Pfarrgemeinde und der Kirche war die Hl. Kolumba. Sie wurde der Legende nach während einer Christenverfolgung im Gefängnis von einer Bärin vor Vergewaltigung geschützt. Später versuchte man vergeblich sie zu verbrennen, so dass sie ihr Martyrium durch Enthauptung erlitt. Dies soll sich in Sens unter der Herrschaft von Kaiser Aurelian (270-273) zugetragen haben. Zur Zeit der Merowinger (5.-8. Jahrhundert) wurde sie besonders in der Gegend von Sens und Auxerre verehrt. Am Hofe der Merowingerkönige könnte der Kölner Bischof Kunibert (626 bis nach 648) den Kult kennen gelernt und dann in Köln eingeführt haben. Dem Hinweis von Aegidus Gelenius aus dem 17. Jahrhundert, dass schon Bischof Severin (4. Jahrhundert) umgebaute Privathäuser der Hl. Kolumba geweiht habe, fehlen die notwendigen Nachweise.

Zur Baugeschichte der Pfarrkirche und ihrer Ausstattung
Schriftliche Quellen zur Baugeschichte der Pfarrkirche – besonders aus ihrer Anfangszeit – sind entweder nicht mehr vorhanden oder nur wenig aussagekräftig. Erst die von Sven Seiler geleiteten Ausgrabung in den Jahren 1974-76 haben verlässliche Informationen über die Vorgängerbauten der spätgotischen Kolumbakirche zu Tage gefördert. In römischer Zeit befand sich innerhalb des durch die ehem. Bursgasse, Minoriten-, Kolumba- und Brückenstraße gebildeten Rechtecks eine Insula (Wohnblock). Die ergrabenen Reste von Fußbodenheizungen, Wasserbassins und Wandputz führten zwar zu keiner Rekonstruktion der römischen Bebauung, lassen aber die Deutung als Wohnviertel vornehmer Römer zu. Das Gebiet war mit ständigen Um- und Neubauten von der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts bis zum Ende des 4. Jahrhunderts bewohnt. In nachrömischer Zeit wurden die antiken Gebäude weiter genutzt, ohne dass Neubauten entstanden. Von besonderem Interesse ist ein römisches Haus mit einer wohl im 7./8. Jahrhundert angebauten Apsis. Einen Hinweis auf die Funktion des Hauses als Kirche mit benachbartem Friedhof geben sechs zerstörte fränkische Gräber und zwei durch Stangekreuze verzierte Grabsteine. Im 8. oder 9. Jahrhundert errichtete man neben dem umgebauten Haus eine einschiffige Kirche (Bau I) mit eingezogener Ostapsis. Dieser Bau war für alle folgenden Kirchen richtungsweisend und bestimmte noch die Breite des Mittelschiffs in der spätgotischen Pfarrkirche. Eine dreischiffige Anlage (Bau II/1) mit wohl fünf Jochen ersetzte die alte Saalkirche. Die beiden Seitenschiffe endeten in rechteckig ummantelten Konchen. Die Apsis des Langhauses ragte über diese hinaus und hatte im Inneren eine Gliederung aus fünf Nischen. Vergleichbare Nischen finden sich im Westbau von St. Georg und bieten bisher den einzigen Anhaltspunkt für eine Datierung von Bau II/1 in das 11.Jahrhundert. Man erweiterte diese Kirche durch eine Verlängerung der Seitenschiffe, die nun ebenfalls mit außen sichtbaren runden Apsiden in Höhe der Mittelschiffsapsis abschlossen (Bau II/2). Noch in der zweiten Hälfte des 11.Jahrhundert erhielt das Mittelschiff eine neue, erheblich längere Apsis. Damit hatte die querschifflose Kirche (Bau II/3) einen Staffelchor. Erst in dieser Bauphase scheint im Westen vor dem Mittelschiff eine Vorhalle errichtet worden zu sein. Der folgende Neubau (Bau III) aus dem 12./13.Jahrhundert übernahm zwar die Breiten der Schiffe seines Vorgängers, wurde aber nach Süden um ein Seitenschiff erweitert. Die Seitenschiffe der nun vierschiffigen Anlage hatten im Inneren jeweils einen halbrunden Abschluss nach Osten. Außen trat lediglich die Apsis des Mittelschiffs aus der sonst geraden Chorwand hervor. Die Vorhalle im Westen wurde durch einen großen, ca. 25 m hohen Westturm ersetzt. Dessen westliche Wand bildete mit den westlichen Abschlüssen von zwei der drei Seitenschiffe eine gemeinsame Fassade. Das vierte südliche Seitenschiff konnte mit Rücksicht auf den ungünstigen Verlauf der Brückenstraße nicht entsprechend weit nach Westen geführt werden. Es war daher um zwei Joche kürzer und wurde nach Westen hin schmaler. Unter dem Seitenschiff befand sich ein von der Brückenstraße aus zugänglicher Knochenkeller. Als Hinweis auf Emporen wird in der Forschung eine Treppe im Nordosten des nördlichen Seitenschiffs gedeutet. Da sich die Treppe unmittelbar neben der Apsis des nördlichen Seitenschiffes befand, hätte sich eine Empore auch über diesen Bereich erstreckt. Möglich wäre aber auch, den Bau ohne Emporen zu rekonstruieren. Die Treppen hätten dann als Zugang zu einem kleinen Turm oder zu einem benachbarten Gebäude (Pfarrhaus) gedient. Dies würde erklären, weshalb im Süden kein vergleichbarer Aufgang gefunden werden konnte. Zu einem heute unbekannten Zeitpunkt wurde die nach außen hin gerundete Mittelapsis durch einen Rechteckchor ersetzt. Hinweise auf die Ausstattung der Kirche gibt lediglich die Erwähnung eines Lettners aus dem Jahre 1367. 1456 bat die Gemeinde den Rat der Stadt um Erlaubnis, einige Gebäude zu erwerben, um die Kirche erweitern zu können. Dies ist der erste Hinweis auf den spätgotischen Neubau (Bau IV). Die Baumaßnahme wurde in zwei Etappen vorgenommen. Nach Abbruch des nördlichen Seitenschiffs errichtete man erst die nördlichen Teile der Kirche. Unter Beibehaltung wesentlicher Teile des alten romanischen Langhauses und des Westturmes wurde anschließend im Süden weitergebaut. Auf diese Weise stand während der gesamten Bauzeit ein noch recht großer Raum als Kirche zur Verfügung. Bei Abschluss der Bauarbeiten im 16. Jahrhundert war eine fünfschiffige Kirche mit hallenartigen Seitenschiffen entstanden. Im Osten der Seitenschiffe schlossen sich zwei Räume an, die durch je einen zentralen Pfeiler in vier Joche mit gleich hohen Gewölben gegliedert waren. Diese beiden Räume wirkten – vor allem wegen der sich über die gesamte Wandhöhe erstreckenden Fenster – wie ein Querhaus. Emporen befanden sich in den äußeren Seitenschiffen und im Westen. Das nördliche Seitenschiff weist zwei Besonderheiten auf. Im östlichsten Joch verlegte man die äußere Wand in die Flucht der Strebepfeilerfronten. Im Inneren entstand so eine schmale Nische, in deren östliche Ecke der Kreuzaltar Platz fand. Noch deutlicher in Erscheinung trat die an das Seitenschiff angebaute Georgskapelle (Taufkapelle). Es handelte sich bei dieser über quadratischem Grundriss errichteten und mit einem Sternengewölbe versehenen Kapelle um die Stiftung des Bürgermeisters Godert vom Wasservass. Eine Altarstiftung aus dem Jahre 1489 gibt den Hinweis auf die Vollendung der Kapelle, in der sich später der Dreikönigsaltar von Roger van der Weyden befand. Spätestens 1492, als für den Bau Kalk gestiftet wurde, sind die Arbeiten an den südlichen Seitenschiffen im Gange. Die Baumaßnahmen haben sich in diesem Bereich bis etwa 1533 hingezogen. Wie schon beim Vorgängerbau führt die Grundstücksgrenze an der Brückenstraße zu einem eigenwilligen Grundriss des südlichen Seitenschiffes. Das äußere Seitenschiff wurde nach Westen hin schmaler, so dass unregelmäßige Grundrisse mit entsprechenden Gewölbeformationen entstanden. Gab es auf der Nordseite noch Strebepfeiler, so wurden diese an der Südseite außen durch Lisenen und im Inneren durch verstärkte Pfeilervorlagen ersetzt. Vergleichbar mit der spätgotischen Kolumbakirche ist der 1512 begonnene Neubau von St. Peter in Köln. Mit diesen beiden Pfarrkirchen enden die großen Bauunternehmungen des Mittelalters in Köln. Zur Finanzierung des Neubaus trugen zahlreiche Stiftungen der in der Gemeinde wohnenden Familien bei. Die Kosten für das nördliche Seitenschiff wurden fast vollständig von der Familie Rinck getragen. Schon den ersten Bauabschnitt, die Marienkapelle im nordöstlichsten Joch der Kirche, hatte Johann Rinck als Grabkapelle für seine Familie gestiftet. Zeugnis von der regen Stiftertätigkeit legten die mit entsprechenden Wappen versehenen Schlusssteine und die zahlreichen Grüfte in der gesamten Kirche ab. Nicht nur die Architektur, sondern auch die Ausstattung profitierte von den wohlhabenden Gemeindemitgliedern. Die erhaltenen Altarbilder und Skulpturen gehören heute zu den Beständen der unterschiedlichsten Museen. Aus der Vielzahl der jüngeren Stiftungen sei nur die sitzende Madonna des Bildhauers Jeremias Geisselbrunn (um 1650) genannt, die 1677 durch Jakob von Groote gestiftet wurde. Ihm verdankte die Kirche auch die Einwölbung der Chornische. Im Barock war die Architektur nur von geringen Eingriffen betroffen. So erhielt beispielsweise der Helm des Westturmes eine neue Gestalt. Grundlegender waren die Veränderungen an der Ausstattung. Alle Nebenaltäre wurden barockisiert und Franz van Helmont (vor 1690 – vor 1756) schuf nach einem Vorbild in Rom einen neuen Hochaltar, der 1727 geweiht wurde. 1749 legte man neue Grüfte an und erneuerte den Fußboden. Ende des 18. Jahrhundert empfand man den Turmaufsatz des Sakramentshauses als unzeitgemäß und entfernt ihn. Hundert Jahre später dagegen schätzte man das spätgotische Kunstwerk wieder und stellte das Sakramentshaus wieder her. 1824 erhielt der Innenraum eine neue Farbfassung. Zu einer größeren Renovierung der gesamten Kirche kam es 1873. (Fortsetzung: Madonna in den Trümmern)

Literatur: Christoph Bellot, St. Kolumba, in: Colonia Romanica X 1995, S. 241-254; Klaus Gereon Beuckers, Köln: Die Kirchen in gotischer Zeit (Stadtspuren 24), Köln 1998, S.250-254; Eduard Hegel, St. Kolumba in Köln. Eine mittelalterliche Großstadtpfarrei in ihrem Werden und Vergehen (Studien zur Kölner Kirchengeschichte 30), Siegburg 1996; Eduard Hegel, Die Geschichte der Pfarrei St. Kolumba in Köln, in: Kolumba. Ein Architekturwettbewerb in Köln 1997, Köln 1997, S. 31-46; Hugo Rathgens, St. Columba, in: Wilhelm Ewald und Hugo Rathgens (Bearb.), Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln, Bd. 1, IV. Abteilung. Die kirchlichen Denkmäler der Stadt Köln, Düsseldorf 1916, S. 194-230; Sven Seiler, die Ausgrabungen in der Kirche St. Kolumba in Köln, in: Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters 5, 1977, S. 97-119; Sven Seiler, Die Kirche St. Kolumba und ihre romanischen Vorgängerbauten, in: Colonia Romanica IV 1989, S. 146-157; Sven Seiler, Ausgrabungen in der Ruine der Kirche St. Kolumba, in: Kolumba. Ein Architekturwettbewerb in Köln 1997, Köln 1997, S. 63-71.


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Geschichte der Pfarrei St. Kolumba
St. Kolumba war mit bis zu 10.000 Gemeindemitgliedern und von seiner geographischen Ausdehnung die größte Pfarrgemeinde der mittelalterlichen Stadt Köln. Viele der angesehensten und wohlhabendsten Familien wohnten in der Pfarrei. Sie bestimmten nicht nur als Ratsherren und Bürgermeister das Geschick der Stadt, sondern hatten als Kirchenmeister die Aufsicht über das Pfarrvermögen, die Armenpflege, das Hospital sowie die Beginenkonvente. Darüber hinaus wählten sie spätestens seit 1250 den Pfarrer. Zum Pfarrbezirk gehörten einige bedeutende Klöster und wichtige Einrichtungen der 1388 gegründeten Universität. Neben dem Gebäude der Juristischen Fakultät (An der Rechtsschule) waren dies auch einige Bursen, in denen die Studenten lebten und lernten. Die Mehrzahl der Pfarrer von St.Kolumba hatte an der Kölner Universität studiert und wirkte dort als Professoren. Einer von ihnen war Kaspar Ulenberg (1548-1617), der 1572 vom lutherischen zum katholischen Glauben konvertierte und durch seine Übersetzung der Bibel ins Deutsche sowie die Vertonung der Psalmen größere Bekanntheit erlangte. Patronin der Pfarrgemeinde und der Kirche war die Hl. Kolumba. Sie wurde der Legende nach während einer Christenverfolgung im Gefängnis von einer Bärin vor Vergewaltigung geschützt. Später versuchte man vergeblich sie zu verbrennen, so dass sie ihr Martyrium durch Enthauptung erlitt. Dies soll sich in Sens unter der Herrschaft von Kaiser Aurelian (270-273) zugetragen haben. Zur Zeit der Merowinger (5.-8. Jahrhundert) wurde sie besonders in der Gegend von Sens und Auxerre verehrt. Am Hofe der Merowingerkönige könnte der Kölner Bischof Kunibert (626 bis nach 648) den Kult kennen gelernt und dann in Köln eingeführt haben. Dem Hinweis von Aegidus Gelenius aus dem 17. Jahrhundert, dass schon Bischof Severin (4. Jahrhundert) umgebaute Privathäuser der Hl. Kolumba geweiht habe, fehlen die notwendigen Nachweise.

Zur Baugeschichte der Pfarrkirche und ihrer Ausstattung
Schriftliche Quellen zur Baugeschichte der Pfarrkirche – besonders aus ihrer Anfangszeit – sind entweder nicht mehr vorhanden oder nur wenig aussagekräftig. Erst die von Sven Seiler geleiteten Ausgrabung in den Jahren 1974-76 haben verlässliche Informationen über die Vorgängerbauten der spätgotischen Kolumbakirche zu Tage gefördert. In römischer Zeit befand sich innerhalb des durch die ehem. Bursgasse, Minoriten-, Kolumba- und Brückenstraße gebildeten Rechtecks eine Insula (Wohnblock). Die ergrabenen Reste von Fußbodenheizungen, Wasserbassins und Wandputz führten zwar zu keiner Rekonstruktion der römischen Bebauung, lassen aber die Deutung als Wohnviertel vornehmer Römer zu. Das Gebiet war mit ständigen Um- und Neubauten von der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts bis zum Ende des 4. Jahrhunderts bewohnt. In nachrömischer Zeit wurden die antiken Gebäude weiter genutzt, ohne dass Neubauten entstanden. Von besonderem Interesse ist ein römisches Haus mit einer wohl im 7./8. Jahrhundert angebauten Apsis. Einen Hinweis auf die Funktion des Hauses als Kirche mit benachbartem Friedhof geben sechs zerstörte fränkische Gräber und zwei durch Stangekreuze verzierte Grabsteine. Im 8. oder 9. Jahrhundert errichtete man neben dem umgebauten Haus eine einschiffige Kirche (Bau I) mit eingezogener Ostapsis. Dieser Bau war für alle folgenden Kirchen richtungsweisend und bestimmte noch die Breite des Mittelschiffs in der spätgotischen Pfarrkirche. Eine dreischiffige Anlage (Bau II/1) mit wohl fünf Jochen ersetzte die alte Saalkirche. Die beiden Seitenschiffe endeten in rechteckig ummantelten Konchen. Die Apsis des Langhauses ragte über diese hinaus und hatte im Inneren eine Gliederung aus fünf Nischen. Vergleichbare Nischen finden sich im Westbau von St. Georg und bieten bisher den einzigen Anhaltspunkt für eine Datierung von Bau II/1 in das 11.Jahrhundert. Man erweiterte diese Kirche durch eine Verlängerung der Seitenschiffe, die nun ebenfalls mit außen sichtbaren runden Apsiden in Höhe der Mittelschiffsapsis abschlossen (Bau II/2). Noch in der zweiten Hälfte des 11.Jahrhundert erhielt das Mittelschiff eine neue, erheblich längere Apsis. Damit hatte die querschifflose Kirche (Bau II/3) einen Staffelchor. Erst in dieser Bauphase scheint im Westen vor dem Mittelschiff eine Vorhalle errichtet worden zu sein. Der folgende Neubau (Bau III) aus dem 12./13.Jahrhundert übernahm zwar die Breiten der Schiffe seines Vorgängers, wurde aber nach Süden um ein Seitenschiff erweitert. Die Seitenschiffe der nun vierschiffigen Anlage hatten im Inneren jeweils einen halbrunden Abschluss nach Osten. Außen trat lediglich die Apsis des Mittelschiffs aus der sonst geraden Chorwand hervor. Die Vorhalle im Westen wurde durch einen großen, ca. 25 m hohen Westturm ersetzt. Dessen westliche Wand bildete mit den westlichen Abschlüssen von zwei der drei Seitenschiffe eine gemeinsame Fassade. Das vierte südliche Seitenschiff konnte mit Rücksicht auf den ungünstigen Verlauf der Brückenstraße nicht entsprechend weit nach Westen geführt werden. Es war daher um zwei Joche kürzer und wurde nach Westen hin schmaler. Unter dem Seitenschiff befand sich ein von der Brückenstraße aus zugänglicher Knochenkeller. Als Hinweis auf Emporen wird in der Forschung eine Treppe im Nordosten des nördlichen Seitenschiffs gedeutet. Da sich die Treppe unmittelbar neben der Apsis des nördlichen Seitenschiffes befand, hätte sich eine Empore auch über diesen Bereich erstreckt. Möglich wäre aber auch, den Bau ohne Emporen zu rekonstruieren. Die Treppen hätten dann als Zugang zu einem kleinen Turm oder zu einem benachbarten Gebäude (Pfarrhaus) gedient. Dies würde erklären, weshalb im Süden kein vergleichbarer Aufgang gefunden werden konnte. Zu einem heute unbekannten Zeitpunkt wurde die nach außen hin gerundete Mittelapsis durch einen Rechteckchor ersetzt. Hinweise auf die Ausstattung der Kirche gibt lediglich die Erwähnung eines Lettners aus dem Jahre 1367. 1456 bat die Gemeinde den Rat der Stadt um Erlaubnis, einige Gebäude zu erwerben, um die Kirche erweitern zu können. Dies ist der erste Hinweis auf den spätgotischen Neubau (Bau IV). Die Baumaßnahme wurde in zwei Etappen vorgenommen. Nach Abbruch des nördlichen Seitenschiffs errichtete man erst die nördlichen Teile der Kirche. Unter Beibehaltung wesentlicher Teile des alten romanischen Langhauses und des Westturmes wurde anschließend im Süden weitergebaut. Auf diese Weise stand während der gesamten Bauzeit ein noch recht großer Raum als Kirche zur Verfügung. Bei Abschluss der Bauarbeiten im 16. Jahrhundert war eine fünfschiffige Kirche mit hallenartigen Seitenschiffen entstanden. Im Osten der Seitenschiffe schlossen sich zwei Räume an, die durch je einen zentralen Pfeiler in vier Joche mit gleich hohen Gewölben gegliedert waren. Diese beiden Räume wirkten – vor allem wegen der sich über die gesamte Wandhöhe erstreckenden Fenster – wie ein Querhaus. Emporen befanden sich in den äußeren Seitenschiffen und im Westen. Das nördliche Seitenschiff weist zwei Besonderheiten auf. Im östlichsten Joch verlegte man die äußere Wand in die Flucht der Strebepfeilerfronten. Im Inneren entstand so eine schmale Nische, in deren östliche Ecke der Kreuzaltar Platz fand. Noch deutlicher in Erscheinung trat die an das Seitenschiff angebaute Georgskapelle (Taufkapelle). Es handelte sich bei dieser über quadratischem Grundriss errichteten und mit einem Sternengewölbe versehenen Kapelle um die Stiftung des Bürgermeisters Godert vom Wasservass. Eine Altarstiftung aus dem Jahre 1489 gibt den Hinweis auf die Vollendung der Kapelle, in der sich später der Dreikönigsaltar von Roger van der Weyden befand. Spätestens 1492, als für den Bau Kalk gestiftet wurde, sind die Arbeiten an den südlichen Seitenschiffen im Gange. Die Baumaßnahmen haben sich in diesem Bereich bis etwa 1533 hingezogen. Wie schon beim Vorgängerbau führt die Grundstücksgrenze an der Brückenstraße zu einem eigenwilligen Grundriss des südlichen Seitenschiffes. Das äußere Seitenschiff wurde nach Westen hin schmaler, so dass unregelmäßige Grundrisse mit entsprechenden Gewölbeformationen entstanden. Gab es auf der Nordseite noch Strebepfeiler, so wurden diese an der Südseite außen durch Lisenen und im Inneren durch verstärkte Pfeilervorlagen ersetzt. Vergleichbar mit der spätgotischen Kolumbakirche ist der 1512 begonnene Neubau von St. Peter in Köln. Mit diesen beiden Pfarrkirchen enden die großen Bauunternehmungen des Mittelalters in Köln. Zur Finanzierung des Neubaus trugen zahlreiche Stiftungen der in der Gemeinde wohnenden Familien bei. Die Kosten für das nördliche Seitenschiff wurden fast vollständig von der Familie Rinck getragen. Schon den ersten Bauabschnitt, die Marienkapelle im nordöstlichsten Joch der Kirche, hatte Johann Rinck als Grabkapelle für seine Familie gestiftet. Zeugnis von der regen Stiftertätigkeit legten die mit entsprechenden Wappen versehenen Schlusssteine und die zahlreichen Grüfte in der gesamten Kirche ab. Nicht nur die Architektur, sondern auch die Ausstattung profitierte von den wohlhabenden Gemeindemitgliedern. Die erhaltenen Altarbilder und Skulpturen gehören heute zu den Beständen der unterschiedlichsten Museen. Aus der Vielzahl der jüngeren Stiftungen sei nur die sitzende Madonna des Bildhauers Jeremias Geisselbrunn (um 1650) genannt, die 1677 durch Jakob von Groote gestiftet wurde. Ihm verdankte die Kirche auch die Einwölbung der Chornische. Im Barock war die Architektur nur von geringen Eingriffen betroffen. So erhielt beispielsweise der Helm des Westturmes eine neue Gestalt. Grundlegender waren die Veränderungen an der Ausstattung. Alle Nebenaltäre wurden barockisiert und Franz van Helmont (vor 1690 – vor 1756) schuf nach einem Vorbild in Rom einen neuen Hochaltar, der 1727 geweiht wurde. 1749 legte man neue Grüfte an und erneuerte den Fußboden. Ende des 18. Jahrhundert empfand man den Turmaufsatz des Sakramentshauses als unzeitgemäß und entfernt ihn. Hundert Jahre später dagegen schätzte man das spätgotische Kunstwerk wieder und stellte das Sakramentshaus wieder her. 1824 erhielt der Innenraum eine neue Farbfassung. Zu einer größeren Renovierung der gesamten Kirche kam es 1873. (Fortsetzung: Madonna in den Trümmern)

Literatur: Christoph Bellot, St. Kolumba, in: Colonia Romanica X 1995, S. 241-254; Klaus Gereon Beuckers, Köln: Die Kirchen in gotischer Zeit (Stadtspuren 24), Köln 1998, S.250-254; Eduard Hegel, St. Kolumba in Köln. Eine mittelalterliche Großstadtpfarrei in ihrem Werden und Vergehen (Studien zur Kölner Kirchengeschichte 30), Siegburg 1996; Eduard Hegel, Die Geschichte der Pfarrei St. Kolumba in Köln, in: Kolumba. Ein Architekturwettbewerb in Köln 1997, Köln 1997, S. 31-46; Hugo Rathgens, St. Columba, in: Wilhelm Ewald und Hugo Rathgens (Bearb.), Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln, Bd. 1, IV. Abteilung. Die kirchlichen Denkmäler der Stadt Köln, Düsseldorf 1916, S. 194-230; Sven Seiler, die Ausgrabungen in der Kirche St. Kolumba in Köln, in: Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters 5, 1977, S. 97-119; Sven Seiler, Die Kirche St. Kolumba und ihre romanischen Vorgängerbauten, in: Colonia Romanica IV 1989, S. 146-157; Sven Seiler, Ausgrabungen in der Ruine der Kirche St. Kolumba, in: Kolumba. Ein Architekturwettbewerb in Köln 1997, Köln 1997, S. 63-71.